Carmina Burana Carl Orff

«Carmina Burana» von Carl Orff 

Keine Oper, auch keine Operette, sondern ein Libretto, so wird das in mittellateinischer und mitteldeutscher Sprache getextete Stück benannt. 

Kurt Pahlen schreibt dazu in seinem Werk «Die grosse Geschichte der Musik» (List, 1996): «Im Kloster Benediktbeuern (Oberbayern) fanden sich zahlreiche Manuskripte aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die von «Vaganten» und «Goliarden» verfasst worden waren, also fahrenden Studenten, Bettelmönchen, Vaga- bunden einer Umbruchzeit. Diese vor allem im bayerisch-österreichischen Raum wandernden Vertreter eines – oftmals unfreiwilligen – «freien» Lebens zeichneten krasse, aber auch liebenswerte Schilderungen ihrer Epoche.

Es sind «Vagantenlieder», wie sie insgeheim die Runde unter den Herumziehenden machten. Ihre Texte sind seltsam gemischt aus herabgekommenem Latein und früher deutscher Vulgärsprache. Zu vielen Versen dieser seltsamen Literatur hat Carl Orff (1895–1982) 1937 mitreissende Gesänge geschrieben und damit ein lange verschollenes Zeitalter neu vor uns auferstehen lassen». 

«Er ist ein Bühnenmensch, er denkt in Dimensionen des Welttheaters, aber den Volksszenen der engeren bayerischen Heimat gehört ebenso seine Liebe. Er macht Urtheater, totales Theater. Ein chinesischer Hörer seiner Werke soll in seinem Tagebuch vermerkt haben: Wundervoll! Genau wie in Peking vor fünftausend Jahren!»

Nach der erfolgreichen Uraufführung der Carmina Burana an der Oper Frankfurt a/M im Jahre 1937 schrieb Orff an seinen Verleger: «Alles, was ich bisher geschrieben und was Sie leider gedruckt haben, können Sie nun einstampfen! Mit der Carmina Burana beginnen meine gesammelten Werke!»

Und er sollte Recht behalten:
Dank der genialen musikalischen Gestaltung wurde das Werk zu einem der populärsten Stücke ernster Musik des 20. Jahrhunderts. Insbesondere der Chorsatz zu «O fortuna», mit dem das Werk einsetzt und schliesst, ist auch heute noch so populär, dass es wiederholt in Werbespots von Film- und Fernsehproduktionen verwendet wird.